Tag 13 - Selfoss

 

Tag 13, Freitag 28.08.2015 Eldhraun - Selfoss

Freitag, der 13. Tag. Ob das ein gutes Zeichen für den heutigen Abschluß unserer Rundreise ist?

Es gibt richtig viel zu sehen hier im Südosten! Auch wenn das Wetter die richtigeren Hinweise auf die Richtung gibt, so war die Entscheidung, im Uhrzeigersinn um die Insel zu fahren, sehr ok.

So hat man den mäßig mit Sehenswürdigkeiten ausgestatteten Westen am Anfang der Reise und zum Schluß steigert sich das Ganze mehr und mehr. Wir sind hoch zufrieden, auch weil das Wetter heute super mitspielt. Ein Mix aus Sonne und Wolken machen das Reisen bei 12-14 Grad zum absoluten Vergnügen. Und da es heute nur knapp 220km sind, ist das auch leicht zu bewältigen. Das ist auch deshalb einfach, weil wir uns gegen die Hochlandstraße 208 entschieden haben. Die fahren wir ein anderes Mal, heute sollen es die typischen Touri-Highlights sein.

Es gibt nur ein Problem: Seit heute morgen kriegen wir kein Netz mehr auf unseren Handys. Das war bisher noch nie ein Thema (auch in den abgelegensten Teilen Islands nicht), aber gerade heute, wo wir uns mit der Vermieterin unseres Hauses verabreden wollen, klappt das nicht. Sehr ärgerlich, muss sie doch extra wegen uns von Kefalvik zum Haus, das nördlich von Selfoss liegt, anreisen, um uns die Schlüssel zu bringen. Wir werden später von einem Hotel aus über das Festnetz mit ihr Kontakt aufnehemen. Für uns Software-Insider: Es ist Freitag und warum soll es hier anders sein, dass neue Softwareversionen immer vor dem Wochenende eingespielt werden und erst mal nicht funktionieren?

Egal. Wir machen uns kurz nach Zehn auf die Socken und erreichen bald Vik, den südlichsten Teil von Island. Hier erst mal unsere Route für heute:

Direkt in Vik fahren wir an den schwarzen Strand, der bezeichnenderweise den Namen Reynisdrangar trägt. Es ist herrlich hier, wenn auch kühl. Trotzdem wagen ein paar wenige den Sprung ins kalte Wasser. Aris kühlt zumindest seine Füße, muss diese aber anschließend dringend im Auto wärmen. Ist wirklich nur was für Hartgekochte.

4km nach Vik zweigt der Weg zu den Basalthölen ab. Wir fahren erst mal dran vorbei (unser Reiseführer entpuppt sich immer mehr zum ungenauen Nachschlagewerk, "einige km nach Vik") und erst ein zweiter Anlauf bringt uns an den herrlichen Strand.

Hier sind wir nicht alleine, aber wie immer hier in Island verteilen sich die Inhalte der PKWs und der zahlreichen Busse recht gut.

Linus findet diesen Umstand auch sehr reizend.

In den Steilhängen nisten Möwen und Papgeientaucher (gab´s in Heydalur auf der Speisekarte "roasted Puffin with vegetables and baked potatoes ISK 4.300")

10km nach Vik geht eine unbefestigte Straße links Richtung Meer. Geschaffen von Touristen wie wir hat diese Straße keinen Namen, führt aber geradewegs zu einem Flugzeugwrack. 2014 ist sogar eine Tafel aufgestellt worden und die Abzweigung ist nicht schwer zu finden.

Bei "Reisewut" hab ich noch ein paar Texte zum Ort gefunden:

"Man findet im Netz allerlei mögliche Infos zu diesem Flugzeug, bei dem es sich um eine C-117D handelt. Das Flugzeug ist am 24.11.1973 hier abgestürzt, Grund dafür war Kerosinmangel nachdem sich die Crew auf ihrem Flug durch eine Schlechtwetterfront verirrt hatte. Zum Glück gab es keine Verluste, alle haben überlebt. Der aktuelle Standort des Wracks ist übriges NICHT der eigentliche Absturzort, der lag ursprünglich weiter vorne am Meer. Man hat es damals nur sicherheitshalber auf eine höhere Ebene gezogen."

Gut so, so liegt das Teil recht fotogen im Nirgendwo.

Wer übrigens sein Mietauto schonen will (wie einige, die wir unterwegs sehen), der läuft gute 4km von der 1 weg Richtung Meer. Da sich auch PKWs auf dem Parkplatz beim Flugzeug finden, kann man sich diesen Marsch getrost sparen.

 

Keine 10km weiter suchen wir beim Wasserfall Skógafoss ein Telefon, um mit der Vermieterin bzw. deren Mutter Kontakt aufzunehmen. Das klappt und keine 20 Minuten später funktioniert sogar das Handy-Netz wieder. Hulda wartet bereits in unserem Miethaus auf uns. Das hätten wir eigentlich anders geplant gehabt, ist sie doch extra aus Keflavik angereist, aber nun können wir das auch nicht mehr verhindern.

Gerade reißt der Himmel auf und der Skógafoss empfängt uns mit einem wunderschönen Regenbogen.

30km weiter führt uns die Ringstraße zum Gljúfrafoss. Das Besondere an diesem Wasserfall ist, dass man hinter ihm durchlaufen kann. Die Sonne macht das ganze zu einem sehenswerten Spektakel.

Auf den Merkzettel: Regenkleidung ist ab und zu auch bei Sonnenschein eine feine Sache!

Wie vereinbart, treffen wir uns um 17:00 Uhr bei unserem Chalet.

Die Schranke öffnet sich aber leider nicht, obwohl wir die richtige Nummer mit unserem nun funktionierenden Handy anwählen (steht sogar auf der Anlage groß angeschrieben). Nach ein paar Minuten geht die Schranke wie von Geisterhand auf. Hulda empfängt uns herzlich, sie hat die Schranke geöffnet. Geht nur mit Handys von bestimmten Isländischen Familien, wie sie erklärt. Und drückt uns schon mal ein Uralt-Handy (aus den 90ern?) in die Hand. Nun hat sie einen Zettel, auf dem sie sich alles aufgeschrieben hat, was sie uns erklären will und geflissentlich streicht sie jeden erklärten Punkt durch.

Nachdem ich bereits im Vorfeld eine 9-seitige Erklärung per Mail erhalten hatte, sind wir nun voll und ganz über das Haus, die Sicherheitsschranke, die Alarmanlage, den Hot-Pot, die Sauna, das Gästehaus und alle elektrischen Geräte informiert. Und so fährt Hulda mit der Flasche Sekt, die wir ihr für´s Warten organisiert haben, von dannen.

Auch dieses Haus wird vermutlich nicht täglich vermietet, denn solche Umstände macht man sich nicht beim 100sten mal.

Wir sind froh, endlich unser Domizil für die nächsten 4 Nächte beziehen zu können und fühlen uns sofort pudelwohl. Super groß (210m2, 5 Schlafzimmer, 2 Bäder) mit Gästehaus (in das Linus einzieht) und allem Luxus, den man sich hier wünschen kann.

Internet gibt es vorerst nicht. Später finde ich ein mobiles Kästchen und mit einer online-Aufladung von ISK 2.100 können wir nun 500MByte lang surfen. Also alles Bestens.

Hier gehört normalerweise die Fahne des Gästelandes gehisst.

Auf den Merkzettel: Unbedingt Landesflagge mitnehmen.

Nach einem Bad im Pool wollen wir eigentlich ins Bett. Als ich ein Leuchten am Himmel erst mal als vom Vollmond beleuchtete Flugzeugstreifen abtue, meint Jutta, dass das eindeutig das Nordlicht sei.

Ich verifiziere das mal mit der Kamera und siehe da: Sie hat wie immer Recht!

Unser erstes Nordlicht!!!

In Natura sind die "Lichter" derzeit eher Lämpchen, denn leuchten tun sie kaum. Erst mit 5 Sekunden Belichtung erstrahlen die Erscheinungen so richtig. Die "richtige" Zeit für Nordlicher sind die Monate September, Oktober und März. Glück gehabt! Aris sieht sogar eine große Sternschnuppe.

So kommen wir zwar spät aber happy in die Falle.

 

 

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