Tag 14 - Selfoss

 

Tag 14, Samstag 29.08.2015 Selfoss - Hveravellir - Selfoss

Eigentlich haben wir heute "frei". Der 3.000ste km ist gefahren und die Runde um die Insel beendet.

Also machen wir uns nach dem Frühstück auf, ein wenig das Hochland zu erkunden. Wie wär es damit, die 35 bis zum Gullfoss und dann ein wenig weiter zu fahren? Ok, machen wir!

Bis zum Gulfoss sind es 60km auf geteerter Piste und danach kommen nochmal 10km durch ödes Gebiet aber ebenso geteerter Straße, bevor die F35 sich ins Hochland windet.

Fährt sich wie betoniert (vorerst). Vor bzw. neben uns sind diese riesigen Spaßmobile mit einer Fuhre Touristen auf kleinen Abwegen unterwegs, um denen mal zu zeigen, wie es hier zur Sache geht.

Nach der Abzweigung zur F335, die zum Gletschersee Hagavatn führt, sind wir alleine auf weiter Flur. Etwas weiter die Straße entlang, so heißt es im Führer, ist das Thermalgebiet von Hveravellir. Bis dahin wollen wir, dann einen Kaffee trinken und umkehren.

Hätte ich mir das in der Karte vorher genauer angeschaut, wären wir bestimmt nicht bis dahin gefahren. Auf dem Navi ist weit und breit nichts anderes als ein dünner Strich Straße zu erkennen und im Führer ist nur eine schematische Darstellung zu finden. Detaillierte Karte natürlich Fehlanzeige. Dumme unvorbereitete Touristen eben. Ein paar km fahren wir noch, dann drehen wir um. Nur noch den nächsten Hügel, muss ja gleich kommen! Da vorne muss es sein!

Irgendwann sind wir laut Navi mitten in Island und nach Norden ist es gleich weit wie nach Süden. Macht ja nix, wir haben ja Zeit und sind im Urlaub.

Es dauert über 2 sehr laute Stunden (Schotterpisten haben eben diesen akustischen Nebeneffekt), bis es hinten rechts noch lauter wird und wir gerade an unserem Ziel in Hveravellir ankommen.

Wir steigen aus und Jutta wird sehr schnell sehr schlecht beim Anblick unseres rechten Hinterrades. Luft? Fehlanzeige!

Ich parke noch um, suche und finde das Werkzeug sowie den Ersatzreifen (die Straßenvariante, alles klar). Ich geh erst mal einen Kaffee holen und eine rauchen! Drinnen erzähl ich von unserem Malheur und der Hüttenwirt erklärt beiläufig, dass er das schon flicken kann, ob es denn ein kleines Loch sei? Keine Ahnung, so weit war ich noch gar nicht! Er holt sein Auto, pumpt mit dem bordeigenen Kompressor den Reifen wieder auf und wir finden die lecke Stelle auf Anhieb. Kurz noch ein wenig rückwärts, bis er gut an die Stelle rankommt und schon liegt er unterm Auto.

Keine 5 Minuten später hat er mit einem Bohrer, einer Ahle, einem Spezialgummi und Vulkanisationskleber alles wieder gerichtet und macht mit einem uralten manuellen Druckmesser auch noch die anderen 3 Reifen hochlandtauglich, in dem er einiges an Luft ablässt. "Mietautos haben immer viel zu viel Druck. Da die Straße vor 3 Tagen erst gegrädert wurde, gibt es nun viele spitze Steine. Pech gehabt, aber ich bin das gewöhnt.", sagt er, packt sein Werkzeug wieder ein und will ohne Trinkgeld wieder gehen. Er kriegt natürlich ein fürstliches, damit hätten wir hier in der Einöde echt nicht gerechnet!

Der Reparaturpfropfen nach der Reperatur. Das sollte ein Reifenleben lang halten, so seine Aussage.

Nach getaner Arbeit hat er sich eine Pause verdient.

Erleichtert machen wir den Rundgang um das Thermalgebiet Hveravellir. Sehr schön und sehr neu (2014) gerichtet, führen Stege zu den verschiedenen heißen Quellen.

Das Wasser wird der Einfachheithalber einer heißen Quelle entnommen...

...und im Hot-Pot zu Heizzwecken benutzt.

Erinnert irgendwie an den Boiling River im Yellowstone.

Die Rückfahrt haben wir nicht so genossen. Es waren wieder über zwei Stunden (Google rechnet mit 3) Gerumpel durch teilweise recht eintönige Steinwüste, immer mit dem Reifen im Hinterkopf.

Hat aber auch was, immerhin haben wir halb Island auf einer "F"-Straße durchquert. Und das an einem "freien" Tag. Würde ich aber nicht weiterempfehlen. Die Tour ist nur zu machen, wenn man davor keine Ahnung von den Distanzen hat, neugierig und echter Erstling wie wir ist. Immerhin waren wir 330km und 8 Stunden insgesamt auf dem Weg, 6 davon im Auto.

Einen Eindruck von der Fahrt kriegt man hier im Zeitraffervideo für die 90km südwärts bis zum Beginn des Asphalts. Die Musik ist wieder Isländischen Ursprungs, diesmal "Á Sprengisandi" von Bergþór Pálsson. Fand ich irgendwie passend und frei übersetzt klingt der Titel auch ganz gut.

 

 

 

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