Tag 17 - Keflavik

   

Tag 17, Dienstag 01.09.2015 Selfoss - Keflavik

Der letzte Tag ist angebrochen.

Zeit, unser gemütliches Zuhause gründlich zu reinigen - man mag sich ja nix nachsagen lassen! Und vielleicht kommen wir ja wieder mal hierher? Also wird geputzt, Staub gesaugt, Geschirr verräumt und selbst der Pool wird entleert und gespült.

Wir drehen uns nochmal um und tippen ein letztes mal die Nummer in das Uralthandy, die Schranke öffnet sich und schon ist auch dieser Abschnitt unserer Reise passé.

"Haus in den Bergen" - wir werden dich vermissen! Wer da auch mal hinwill: Objekt-Nr. 1615293 bei www.fewo-direkt.de, Gudrún ist eine liebe Isländerin mit sehr netter Mama - sehr zu empfehlen!

 

Und ab geht es Richtung Reykjavik. Unterwegs noch Marlboro kaufen. Schlappe €8,60 für ein Päckchen. Da wär ich Raucher und zuhause. Island-Urlaub wär mir zu teuer :).

Reykjavik wollen wir uns anschauen, fahren ins Zentrum und am Hafen entlang und stellen fest, dass wir dem Trubel (und eigentlich ist nichts los) nicht mehr gewachsen sind. Wir parken also nicht mal und sind schon eine viertel Stunde später wieder der Großstadt (hat 120.000 Einwohner) entflohen und auf einer Gravel-Road. Herrlich! Kurzer Stopp bei einer Fisch-Fermentierung. Fenster sofort wieder zu.

Im Navi ist es leider nicht zu finden, aber den See Kleifarvatn können wir anpeilen. Krýsuvík liegt knapp danach rechts an der Straße und ist unser letztes natürliche thermale Gebiet unserer Reise.

 

Stellt euch mal vor, ihr habt unbegrenzte Mengen an LSD zur Verfügung (unsere Reste sind leider aufgebraucht :)), dann schaut das da (vielleicht) so aus:

Und schon sind wir wieder froh, dass Rey keine Ahnung von Fotoshop hat, LSD "aus" und keines der Bilder nachbearbeitet ist!

Orischinal so:

Das Gebiet ist wie alle "Thermohügel" hier relativ klein und auf den ersten Blick unspektakulär. Aber die Farben sind auch ohne Sonnenbrille (die Sonne scheint eh nicht) und sonstige Hilfsmittel echt fantastisch und erst der Geruch!

Ein "digitaler" Weg führt den Berg hoch. Hier hat man eine super Aussicht und erst mal keinen Plan, warum man sich das eigentlich angetan hat. Ok, es dampft zwar aus ein paar Löchern, aber es gibt keine Stege, keine Geysire, keine speienden Vulkane oder ähnliches. Nur ein gemächlich vor sich hinnebelndes Hügelein ohne besonderen Reiz.

Das geniale hier ist aber die Ruhe und die Möglichkeit, sich mal intensiv und ganz genau mit dem Phänomen Erdwärme auseinanderzusetzen. Und erst jetzt wird der Aufstieg belohnt:

Es lässt sich also durchaus stöbern hier oben! Winzige Schwefel-Kristalle leuchten und die seltsamsten Formen haben sich in vermutlich vielen tausend Jahren gebildet. Trotzdem sind die vielen Fußabdrücke und Zerstörungen hier schon gut sichtbar und hoffentlich gibt es bald Absperrungen, damit das auch noch für andere spannend bleibt!

Oben kann man noch den Berg umrunden (rechts im Bild). Das sparen wir uns aber, da Jutta und Aris unten auf uns warten.

Nach zwei Stunden ziehen wir weiter, der Abstecher hat sich aber wirklich gelohnt! Und bis auf vielleicht 30 Leute war es hier mal wieder richtig chillig.

Next Stop Blue Lagoon!

Dass die "Bláa Lónið" ein Nepp sei, haben wir von unseren Deutschen Mitbewohnern in Akureyri gehört. Aber die Neugier siegt und daher fahren wir noch an der Anlage vorbei. Die Lagunen sind eigentlich das Restwasser des Wärmekraftwerks hier und sind nicht natürlich entstanden. Das Salzwasser, das hier aus 2.000m Tiefe hochgepumpt wird und bis zu 240 Grad heiß ist, wird zur Stromerzeugung und für Fernwärme genutzt, das Abwasser in die Lavagegend gepumpt. Dort sorgen Kieselalgen für die blaue Färbung, die wir ja schon beim Myvatn gesehen haben (dort aber natürlichen Ursprungs). Das fanden erst die Einheimischen schick, später entstand hier das weltberühmte Bad, das scheinbar sogar Leute anzieht, die extra deshalb nach Island reisen (und anschließend wieder abhauen, die Deppen!).

Das Kraftwerk ist publikumsunwirksam hinter großen Lavawallen versteckt. Dem Badespaß soll das dienlich sein. Die Lagune sieht man deshalb auch nicht. Ein Weg für mittellose Touristen (HALLO? Wir sind am ENDE! Unserer Reise. Und damit auch beinahe in dem Stadium.) führt nebenan durch den nicht bewirtschfteten Teil des Abwassers.

Tatsächlich schön anzuschauen!

Abends gehen wir noch die am Anfang der Reise vergessene Jacke von Aris bei Andis 1x6 ausfassen, hinterlegen das Uralt-Handy für Gudrúns Mutter an der Rezeption des Hotels Berg (sie holt es später ab, wohnt hier um die Ecke, kann uns den Weg aber nicht beschreiben), machen einen Spaziergang am Meer und gehen bald ins Bett (Hab heute beim Rauchen 4 Jacken angehabt. Mann, ist das kalt hier!).

 

So. Das war also unser Reisebericht.

Morgen werden wir um 04:30 aufstehen, an einer unendlich langen Schlange anstehen, weil wir 5 statt 4 Gepäckstücke mithaben (machen wir nie wieder) und die Isländer organisatorische Chaoten sind, uns ärgern, dass wir das "normale" Gepäck auch in 10 Sekunden statt in einer Stunde am "Bulk-Baggage"-Automaten hätten abgeben können (unbedingte Empfehlung!!!), werden wieder von Herbert minutiös abgeholt und sicher nach Hause gebracht werden (danke nochmals dafür!) und uns auf Hund und Katze freuen.

Was noch folgen wird, ist ein Fazit. Das darf nach dieser Reise nicht fehlen. Zuviele Merkzetteleinträge sind zusammenzufassen für jene, die vielleicht mal (vielleicht auch wegen meinem Bericht?) die Sehnsucht nach Island packt. Uns vielleicht auch wieder. Mal sehen.

 

Nach oben